For an english translation: Balkan (english)

balkan

Meine Fahrradtouren hatten immer einen gewissen Hintergrund, Ansporn, Motivation. Auf dem Balkan waren es persönliche Gründe. Auf dem Balkan wurde ich zum ersten mal mit lebendigen Gesellschaft- Konflikten konfrontiert. Meine Sichtweise als Deutsch- Kroate war mir sehr hilfreich. Situationsbedingt kann ich frei auswählen. Bevorzuge ich mit meiner Begegnung lieber die "Nähe" oder "Distanz" zu meinem Gegenüber. Denn im Großteil dieser Halbinsel wird Serbokroatisch gesprochen. Nur in Griechenland und Albanien wird keine slawische Sprache verwendet. Im Kosovo ist albanisch und serbisch als Landessprache genannt. Seit dem Kosovo- Konflikt ist jedoch der serbische Anteil der Bevölkerung sehr gering. Der junge Staat erlangte erst 2008 seine Unabhängigkeit gegenüber Serbien. Sie werden allerdings bis heute von Serbien nicht als Staat anerkannt.

Das bekam ich zu spüren als ich in den Kosovo gefahren bin. Über die serbische Grenze erhält man keinen Ausreise-Stempel, zum Kosovo.

"Es gibt keine Grenze"

So steht man vor einem Problem wenn die Einreise über Montenegro in den Kosovo von statten geht und man über den Kosovo nach Serbien wieder ausreisen möchte. An der serbisch- kroatischen Grenze wird dann der serbische Einreisestempel fehlen und dann hat man das politische Dilemma. 

Auf dem Balkan ist der Völkerhass unter der Bevölkerung immer noch sehr präsent. Hass ist vielleicht das falsche Wort, wobei in den letzten 25 Jahren drei Kriege auf dem Balkan herrschten. Dieses Wort spricht dann doch schon für sich. 

Es herrscht starker Nationalismus in fast jedem Balkanstaat. Zum Beispiel in Makedonien....

Egal ob im Staat Mazedonien, im griechischen Teil Makedonien oder dem bulgarischen Makedonien, jeder ist der bessere und wahrhaftigere Makedonier. Jeder sieht sich als den direkten Nachkommen von Alexander dem Großen.

"...die Anderen möchten das nur gern sein..."

Hört man von allen Seiten. Die mazedonische Regierung in Skopje arbeitet sehr an seinem historischen Stadtbild. Pompöse, neue, alt- aussehende Alexander-Statuen dekorieren den Stadtkern. Ich als einfacher Tourist bin auf die Täuschung hereingefallen. Ich dachte, diese Skulpturen protzen schon einige Hundert Jahre dort. Von Einheimischen Albanern, wurde ich dann eines Besseren belehrt. Sie wurden errichtet, um eine gemeinsame Identität in Mazedonien zu schaffen. Eine Gesellschaft soll eine Geschichte haben, worauf sie stolz sind und verbindet.

Vor allem auf dem Balkan gibt es zuhauf solche gesellschaftlichen Konflikte. Geleitet durch Politik und Religion.

Die Menschen vergessen.

We are all human beeing


 

 

 

...Erzähl ihnen unsere Geschichte....

Flüchtlingslager Eidomenis/Gr.

Willkomen im Kosovo

Welcome to the other side

Ein Interview mit Neri Ferezi, der Direktorin der Filmfestspiele in Mitrovica im Kosovo. 

19.09.2015  Mitrovica, Kosovo.

Hello, tell me who you are?

I´am Neri ferezi, the director of the bridge filmfestival in Mitrovica.

 

What is so special about Mitrovica?

Before the war,, it was the "city of culture". It was while the yugoslavien regime in the 70´s  the capital of the Jazz and art in Yugoslavia.

We are trying to change this  and bring the culture back in to the city.

 

When did the first Film-Festival start?

We started one year before. In 2014 we had our first edition.

Us succeeded to get over 1500 movies from all over the world. Then we continued with the second edition in 2015, which was succesfull too.

And at the first time we will screen movies on the middle on the bridge.

This bridge is well known for problems. We hope that we can do something good for a positive change. We hope  that the brigde will connect people.

Not devide people.

 

 How do you get supported by goverment and the serbian side?

We have been supported by the gouverment, by embassy of UK, Switzerland, Austria. And some local, private sponsoring.

 

What are the plans for the future?

We are planing to devolope the festival. We hope that more serbian people are going to visit this festival next year.

 

Do you have some probloems in praxis?

No, we don´t have.

 

Do you have a wish for the future?

To bring very well known artist from all over the world to Mitrovica.

 

Tell me three reasons for visiting Mitrovica?

I believe in hospitality of people which you have personal expirience. Good food. And of course the Bridge- Filmfestival.

 

Thank you for the interview.

Thank you.


copyright: Refugee Solidarity Movement Thessaloniki- Eidomis

contact: https://www.facebook.com/Refugee-Solidarity-Movement-Thessaloniki-Eidomeni-1638025606411034/photos_stream


Maoca, die etwas andere Stadt

Quelle: Tagesspiegel
Quelle: Tagesspiegel

Neujahr 2015. Berlin.

Ich verpasse meine S/Bahn zum berliner Busbahnhof. Dort wartet ein Bus, der mich wieder in Richtung meiner Heimat, Franken beförden soll. Meine unfreiwillige Freizeit nutze ich, um in Berlin Steglitz am Marktplatz etwas herumzuschlendern. Auf einmal sticht mir das Titelbild der aktuellenTagesspiegel- Ausgabe ins Auge. Es reiht sich vor einem Kiosk. Interessiert begebe ich mich zu diesem Zeitungsstand und studiere die Titelseite. Mein Entschluss ist schnell gefasst. Dieses Blatt wird meine Lektüre für die Busreise nach Hause.                                                                                                                                                                                                               http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/is-rekrutierung-in-bosnien-entfernt-sich-das-land-weiter-von-europa/11474860-3.html            

 

 

Sehr interessiert verfolge ich diesen Bericht. Ich fühle mich mitbetroffen, da sich das Gelesene auf meinem geliebtem Balkan abspielt, ja, sogar vor der Haustür meiner Grosseltern in Kroatien. Laut googlemaps befindet sich dieses Dorf, "Maoca" in "Republik Srpska" 86Km Fussmarsch von Dakovo, Kroatien entfernt.

                                                           

 

Die Flüchtlingskrise vor den Türen der europäischen Union. Nun auch noch die Kämpfer der IS. Mich verfolgt der Gedanke, diese Stadt, das Dorf zu besuchen wenn ich meine Fahrradtour durch den Balkan unternehme, um mir mein eigenes Bild zu verschaffen.


Juli, 2015. 

Nun ist es soweit. Ich breche nach meinen reichen Erfahrungen in Subotica, Serbien weiter in Richtung kroatische Adria auf. Durch Bosnien. Mein Entschluss ist gefasst, dass ich einen Schlenker über Maoce, bzw. "Gornji Maoca (oberes Maoca) machen werde. Mein Weg führt mich über die Grenze "Slavonski Samac" in Richtung "Brcko". Eine Abzweigung von der Hauptstrasse in Richtung Brcko, führt mich in ein abgelegenes Tal, in der die Stadt "Maoca" mit 8000 Einwohnern liegt. Es ist ein muslimisches Dorf. Ich erreiche es gegen Abenddämerung. Mein Anliegen ist mit den Menschen vor Ort zu sprechen und sich auszutauschen. Mich interessiert, was es mit diesen angsteinjagenden Nachrichten auf sich hat. Anschliessend möchte ich mit den erlangten Informationen, aus erster Hand, mich evtl. nach "Gornji Maoca" begeben.

  

Ich bin wiedermal ein Blickfang für die ansässigen Anwohner. Es ist stark zu bezweifeln, dass sich hier überhaupt schonmal ein Fahrradreisender in dieses Tal verirrt hat. "Touristisch" gesehen gibt es hier nicht viel zu sehen. Außer einer Moschee und natürlich ganz viel Wald. Nach einem Tag auf dem Fahrrad, beschliesse ich mich an einem Ort zu begeben, an dem sich ausgetauscht wird. In einem Cafee im Zentrum dieser Gemeinde.

Lange brauche ich nicht zu warten bis mir Gesellschaft geleistet wird. Die Jugendlichen vor Ort sind sehr interessiert an meiner Person. Vor allem als sie bemerken, dass ich die selbe Landessprache wie sie spreche. Es gibt also keine Barrieren sich auszutauschen.

 

 

Maoca/Jugend
Maoca/Jugend

Natuehrlich erzaehle ich ihnen von meiner "Mission" "ShalomAlaikum". Von meiner Dokumentation und den bisherigen Erfahrungen im Ausland und vorallem in Deutschland. Es bietet eine wunderbare Brücke fuer mein eigentliches Anliegen. Mir meine Frage zu beantworten.

 

"Lebt ihr gemeinsam unter Terroristen?" 

 

Ich frage die Gruppe von Jugendlichen was es mit dem acht Kilometer entferntem Dorf auf sich hat. Es befindet sich weiter im Gebirge. Eine Schotterpiste ist die einzige Verbindung zur Aussenwelt, Maoca.

Einer der Jugendlichen der mir gleichalt ist und in Maoca wohnt berichtet, dass  im letztem Jahr einige Journalisten in diese Stadt gekommen sind, um über das obere Dorf zu berichten. Meist sind es negative Schlagzeilen. 

Edin studiert in Brcko. Selbst in dem 30 km entfernten Brcko geht man davon aus, dass es sich bei diesen zwei Ansiedlungen um die ein und die selbe Ortschaft handelt. 

 

Edin: "Wir sind keine Terroristen!"

 

Der Name ist irrefuehrend. Obwohl diese beiden Ortschaften im Grunde den selben Namen tragen, stehen sie in keiner Verbindung zu einander. "Gornji Maoca" fällt unter den Landkreis "Srebrenik". Luftlinie ist es knapp sechs Kilometer von dem Landkreis Srebrenik entfernt. Wegen mangelnder Infrastruktur führt die einzige Straße über Maoca in das knapp 20 km entfernte Srebrenik. Maoca hat seinen eigenen Landkreis Namens "Maoca".

"was? Du lebst im Terrordorf?!"

 

Ich frage (abgesehen von den Jugendlichen) 10 Passanten ob sie schon ein mal im oberen Dorf gewesen sind. Alle entgegnen mir mit mehr oder weniger der selben Antwort.

 

"Nein, was soll ich dort? Da leben die mit dem du weisst schon....."

 

Sie deuten mit einer Hand auf ihr Kinn und streicheln es um einen langen Bartwuchs zu demonstrieren.

 

Keiner der befragten Passanten hatte bisher überhaupt Interesse mal einen Fuss in das Dorf zu setzen. Mir als wanderfreudiger, aktiver Jugendlicher ist das kaum vorstellbar. 

Ich frage auch einige Passanten ob sie mir abraten würden "Gornji Maoca" zu besuchen. Mir wiederfahren unterschiedliche Antworten. Von "Nein dir passiert nichts.....", bis "....Wenn du sterben willst...." was aber eher sarkastisch gemeint ist.  Bezogen auf die negativen Schlagzeilen, die das Dorf gemacht hat.


Gegenueber von diesem Ort der Begegnung in dem ich raste, befindet sich ein Internet Cafe. Es wird von einem Bewohner aus dem oberen Dorf betrieben. Die Einheimischen erläutern mir, dass sich diese Gemeinde im Grunde absolut unauffällig verhält.  Sie Integrieren sich mehr oder weniger in das untere Dorf. Jedoch besuchen sie nicht die Moschee in Maoca, da sie die Bosniaken nicht als muslimisch genug sehen. Eher als Ungläubige. In der Regel bezeichnen sich Bosniaken schon als muslimisch, jedoch pflegen sie eher die muslimischen Traditionen als die strikten Glaubensregeln. Sie trinken Alkohol, beten nicht fünf mal am  Tag nach Mekka...etc...

Ein Jugendlicher, der mir auf der Strasse begegnet erzaehlt mir, dass er vor zwei Jahren einen guten Freund aus dem oberen Dorf hatte. Seiner Zeit war er fünfzehn Jahre alt. In diesem Alter werden erste Erfahrungen mit Alkohol und und dem "anderem Geschlecht" gemacht. So machte sie auch dieser besagte Junge. Weiter führt er fort, dass viele Anwohner dieses Dorfes zurückgezogen leben. Privates erfährt man kaum. Aber man weß das eine Verbindung nach Österreich, Wien gepflegt wird. Oft kommen Autos mit Österreichischen Nummernschildern nach "Gornji Maoca". Eines Tages, erzaehlt mir dieser junger Mann, etwa anfang 20, dass der Junge aus dem oberen Dorf von Heute auf Morgen, ohne etwas zu sagen weg war. Er war verwundert, da sie eine Freundschaft verbunden hat. Weiter führt er aus, dass es ganze zwei Monate gedauert hat, bis sie sich wieder gesehen haben. 

"Er hat sich veraendert....."

 

Der 15 Jährige lies sich (soweit möglich) einen Bart wachsen. Er trank nicht mehr. Hat den Kontakt zu seinen alten Freunden im unteren Dorf gemeidet. Bis er nach kurzer Zeit ganz verschwunden war. Der Junge erzählt mir, dass er zwei Monate in Wien war und anschliessend nach Syrien geganen ist. Das hat er ihm noch mitgeteilt bevor er gegangen ist.

 

"Also ist was drann an den Behauptungen?" frage ich neugierig den jungen Mann. Er schaut mich an und zuckt mit den Schultern. Als ob er mir weiß machen will, dass er die Frage wohl nicht beantworten muss.

Maoca, Republik srpska, Bosnia
Maoca, Republik srpska, Bosnia


Am nächsten Tag stehe ich sehr früh auf. Ich habe den Entschluss gefasst, dass obere Dorf zu besuchen. Mein Schlafplatz ist der zentral liegende Park. Es ist ziemlich sicher dort. Direkt neben der örtlichen Polizeistelle.

Als ich in Richtung Gornji Maoca aufbreche, verfolgt mich wieder ein Gefühl welches ich schon kurz vor meinem Grenzübertritt in Palaestina und Kosovo empfand. Etwas mulmig. Was erwartet mich? mein Puls steigt.

Ich fahre an einer Polizeikontrolle vorbei. Sie haben mich nicht gesichtet. Die Augen sind vertieft in die Dokumente eines Bewohners von Gornji Maoca, der in Richtung Maoca fährt. Jeder wird kontrolliert, der das Dorf verlässt. Die Blicke des langbärtigen verfolgen mich, bis ich aus seinem Blickwinkel verschwunden bin.  

Ein trockener Fluss weisst mir den Weg zu diesem Bergdorf. Zwischen diesen zwei Dörfern gibt es keine Ansiedlungen. Nach etwa vier Kilometern begegnen mir die ersten Passanten. Eine Frau mit Burka und zwei Kindern. Als ich sie passiere, bleibt die Frau wie angewurzelt stehen. Ich bleibe auch stehen. Ich flaxe ein wenig mit den Kindern. Es kommt mir vor, als ob die Frau einen Sicherheitsabstand zu mir hält.

Als ich kurz vor der letzten Steigung bin, die mich in das Dorf bringt, kommt mir ein Geländewagen entgegen. Ein Förster. Er bleibt stehen. Sehr interessiert fragt er mich, was um aller Welt es mich auf diesen schlechten, Schotterweg verschlagen hat. zudem fahre ich in Richtung Sackgasse. Es gibt keinen Weg nach diesem Dorf über das Gebirge. 

Ich sage ihm nichts von meinem Vorhaben. Ich stelle mich blöd und antworte ihm, dass ich die Landschaft hier so toll finde. Deswegen bin ich hier. "Was gibt es da oben?"frage ich den Förster.

 

"...Nichts! Da sind nur einige Langbaertige. Gehe kein Risiko ein...dir wird zwar nichts passieren, aber da gibt es außer ein paar Häusern nichts zu sehen..."

Ich bin jetzt den ganzen weiten weg hier hergekommen um kurz vor dem Ziel zu kneifen? Nein. Mir wird schon nichts passieren. Ich bin Fahrradfahrer. Ausserdem bin ich auch langhaarig und langbärtig. Nach meinen Erfahrungen in muslimischen Laendern, wird das oft sehr begrüsst. Nicht selten werde ich gefragt ob ich selber Moslem bin. Zudem ist mein Vater gebürtig aus Mostar. Dem heutigen Bosnien. Viele Moslems verbinden mich deswegen positiv.

Ich gehe nicht dort hin um zu provozieren oder unangenehme Fragen zu stellen. Nein ich will mich nur umsehen.

 

Der Förster fährt weiter. Er wünscht mir einen schönen Tag. Ich begebe mich mit meinem Fahrrad auf eine knapp 10% ige Steigung und erreiche langsam die ersten Häuser dieses Dorfes. Die Akkustik von Waldarbeiten dringen in mein Ohr. Kettensägen. Ich schiebe mein Hiko.

 

Am Dorfeingang ist erst mal keine Spur von den besagten IS/Flaggen. Einige Kinder erblicken mich. Sie sind gespannt und erschrocken zugleich mich zu sehen. Interessiert. Ich sehe ein ganz normales Dorf vor meinen Augen. Frauen in Burkas betreiben Gartenarbeit bei weit ueber 30 Grad Aussentemperatur. Es sieht verlassen aus. Ich bleibe im "Zentrum" dieses kleinen Dorfes stehen und sehe mich um. Ich bin nass geschwitzt. Das kühle Wasser in meiner Kehle spendet mir wieder Kraft. Mich juckt es einen Anwohner anzusprechen. Aber wie ansprechen ohne provokant zu sein? Richtig. Einfach nach dem Weg fragen. Sich dumm stellen. Als ob ich nicht wüsste, dass dieses Dorf eine Sackgasse ist. Aber wer weiß welche Situationen, Gespräche diese Frage als Folge haben kann. Zwei Männer arbeiten an einem Haus an der Fasade. Ich begebe mich zu ihnen und begrüsse sie mit

 

"Salam alaikum, entschuldigung ich habe eine Frage..."

 

Der junge langbärtige Mann erblickt mich und wirft mir einen eisernen Blick zu. Er begibt sich sofort in das Hausinnere. Nach etwa 10 Sekunden kommt ein alter, bärtiger Mann rausspaziert. Sein linkes Auge ist halb geschlossen.

Warscheinlich ist er das Oberhaupt dieses Hauses. Er entscheidet wann und was geredet wird. "Salam, Entschuldigung, aber eine Frage, gibt es einen Wanderweg über diesen Berg wieder zur Hauptstrasse?"

"Salam" erwiedert der alte Mann und guckt mich irritiert an.  Also ob er jetzt irgend eine "unangenehme" Frage erwartet hat. Er anwtortet mir kurz und knapp.

"Nein"

 

 

Er lädt mich nicht zu einem Tee ein, wie es vorraussichtlich jeder streng gläubige Moslem machen würde, da Gastfreundschaft das höchste Gebot für sie ist. Nein er wartet nur darauf, dass ich wieder so schnell wie möglich sein Grundstück verlasse. Ich fühle mich nicht sehr willkommen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass Unbekannte in der Regel nur auf der Suche nach negativen Schlagzeilen sind.

Ich setze mich wieder kurz in das Zentrum und trinke nochmal ein tiefen Schluck von meiner Wasserflasche und stelle fest, dass dies wirklich ein mysterioeses, geheimnisvolles aber auch sehr ruhiges Dorf ist. Zumindest scheint es so. Mich verfolgen Fragen, die ich ihnen, diesem alten Mann gerne gestellt haette.  Was denkt ihr? Wer bezahlt euch? Was seid ihr nur für eine Struktur? Fragen die mich wieder auf meinem Bergabfahrt begleiten. 

 

Eins ist jedoch klar, Maoca ist eine etwas andere Stadt zu den Toren der europaeischen Union.


EUropa stößt an seine Grenzen

(Bild: Sechs junge Maenner aus Afghanistan sind seit 4,5  Monaten zu Fuss unterwegs nach Deutschland. Ohne Hab und Gut. In Richtung "gruene Grenze")
(Bild: Sechs junge Maenner aus Afghanistan sind seit 4,5 Monaten zu Fuss unterwegs nach Deutschland. Ohne Hab und Gut. In Richtung "gruene Grenze")

17.07.2015, Subotica. Serbien.

Die fünftgrößte Stadt Serbiens steht seit geraumer Zeit im Blickpunkt Europas. Das Thema ist diesmal nicht die Abspaltung der autonomen Provinz "Vojvodina" vom Staat Serbien. Nein. 

In diesem Fall handelt es sich um die unzähligen Flüchtlinge aus der ganzen Welt, die zu Tausenden diese kleine Grenzstadt passieren.

Vorwiegende Menschen aus  Syrien, Afghanistan, Pakistan, Kosovo, etc....

Es handelt sich hierbei um eine klassische Transitstadt. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der

 

 

 

"Transasia/Flüchtlingsroute" über den Balkan.

Der Weg führt durch die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und schließlich nach EUropa. So lautet die Wegbeschreibung von den meisten Passanten vor Ort.

Subotica ist ein ganz besonderer Knotenpunkt auf dieser Route. Es ist die vermeintlich letzte Hürde, die letzte Grenze, bis nach Europa. Schengen.

Ab der ungarischen Grenze gibt es bekanntlich keine Grenzkontrollen mehr.

 

Der eiserne Vorhang ist gefallen

 

Der offizielle Grenzübergang ist 11 Kilometer nordöstlich von Subotica entfernt. Dort liegt das serbisch/ungarische Grenzdorf "Hrgojos". Doch für einen Großteil dieser Flüchtlinge bedeuted das Betreten des Dorfes, einen Schritt in das offene Messer zu gehen. Ertappt zu werden.

"Illegale Flüchtlinge" bevorzugen lieber die "grüne Grenze", wie sie von den einheimischen liebevoll genannt wird. Nur vier Kilometer nördlich der 120 000 Einwohner Stadt, erstreckt sich ein Wald, der eine natürliche Landesgrenze bildet. Es ist ein Weg ohne Passkontrolle nach Europa.

Aber dieser "Schleichweg" ist mittlerweile kein "Geheimtipp" mehr. Die europäisch, ungarische Regierung hat das Hauptproblem nämlich schon ausfindig gemacht. Europa wird dagegen vorgehen. Die europäischen Grenzen sollen zukünftig noch besser gesichert werden.

 

"...wir stoßen auf unsere Belastbarkeitsgrenzen"(Zitat: Horst Seehofer)

 

Zurzeit errichtet die ungarische Regierung einen vier Meter hohen, 175km lange, 80 Millionen schweren Grenzzaun zum Staat Serbien. 

Es ist eine Maßnahme um das "Problem" Flüchtling für Europa zu beheben.

 

"Die Grenzen stärken"(Zitat: Horst Seehofer)

 

Herr Seehofer und der ungarische Ministerpräsident sind sich einig, dass künftig ganze "Auffanglager", Zeltstädte an der serbisch/ungarischen Grenze errichtet werden sollen. Damit sollen legale und illegale Menschen von einander getrennt werden.

Viktor Orban erwägt einen neuen Gesetzesbeschluss. Illegale Einwanderer, die nach Ungarn einreisen, sollen künftig im Gefängnis landen, anstatt in ein Flüchtlingslager deportiert zu werden. Auch wenn diese Heimatlosen, den Staat Ungarn nur passieren wollen. Seit Orban 2010 an die Spitze der Regierung gekommen ist, hat er bis dato schon 500 Gesetze geändert. 12 betreffen die Verfassung. Das zumindest behauptet "Rui Tavares", ein portugisischer Politiker.  2012, als Herr Tavares öffentlich Viktor Orban für seine undemokratische Politik kritisiert hat, war er zu diesem Zeitpunkt ein Abgeordneter im Europaparlament. Seinerzeit befand er sich im "Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres". Die ungarische, politische Entwicklung, beurteilte er schon 2012 als "gefährlich". Zudem kritisiert er die Pressezensur, die Viktor Orban 2010 in seinem Land eingefuehrt hat.

 

 

"Wir sind nicht das Sozialamt der ganzen Welt"

(Zitat: Horst Seehofer, politischer Aschermittwoch 2015)

 

 

Die deutsche Regierung hat mittlerweile ein Video zusammenstellen lassen, welches Menschen von der Flucht in Richtung Europa entmutigen sollen. Speziell Menschen aus dem Kosovo. "Das Rueckfuehrungsvideo".

Dieses Video wurde auf albanisch übersetzt und an sechs lokale Medien ueberreicht. 

 

"Massiv entgegensteuern"(Zitat: Horst Seehofer)

 

Ein Leben in EUropa, Nein. Euro als Landeswährung, Ja. Wie zum Beispiel in Montengegro.

Die Staaten Kosovo, Albanien, Serbien, Bosnien, Mazedonien und Montenegro sollen künftig als "sichere Drittstaaten" klassifiziert werden. Denn 40% der Asylanträge die Deutschland erreichen kommen aus dem Balkan.

Der größte Teil sind Wirtschaftsflüchtlinge.

In den Balkanstaaten gibt es bis zu 80% Jugendarbeitslosigkeit.(Von Land zu Land unterschiedlich)

Der europäische Wohlstand wird ihnen tagtäglich in den Medien vorgelebt. Jedoch bietet ihnen die heimische Ökonomie keine Möglichkeit in dieser Konsumgesellschaft Anschluss zu finden. Der Grossteil lebt am finanziellen Existenzminimum.

Das durchschnittliche Monatseinkommen eines Kosovoalbaners beträgt ca. 80 Euro. Dazu kommen steigende westliche Lebenshaltungskosten.


 

Was bedeuted eine globalisierte Welt?

 

Die wenigsten Menschen, die flüchten, verlassen freiwillig ihre Heimat. Es ist meistens immer der selbe Beweggrund warum Menschen alles zurücklassen und einen Weg in das Unbekannte einschlagen. Eine mangelnde Perspektive.

Für sich oder für ihre Familie, Kinder.

In Deutschland ist ein Flüchtling nicht gleich ein Flüchtling. Wir differenzieren und klassifizieren diese Menschen.

 

Was ist der Grund fuer die Flucht?


  • Ein politischer Fluechtling?                                      --> Je nach individuellen Sachverhalt, Asyl moeglich(Deu)
  • Ein Kriegsfluechtling?                                                --> zumindest solange Krieg ist, Asyl moeglich( Deu)
  • Ein Wirtschaftsfluechtling?                                      --> 99% unwarscheinlich Asyl zu erhalten(Deu)

 


 



"Wenn Europa uns nicht haben will, dann beendet bei uns den Krieg!"

(Bild: drei Fluechtlinge aus Afghanistan, vier Monate on the road, Ziel: Deutschland)
(Bild: drei Fluechtlinge aus Afghanistan, vier Monate on the road, Ziel: Deutschland)

17.07.2015, Subotica, Serbien.

Mein Aufenthalt in Subotica ist geprägt von Gesprächen auf der Strasse. Vor allem an einem Ort, der ziemlich zentral liegt. In einem Park vor dem Hauptbahnhof.  Er wird im Volksmund auch"mali Park" (kleiner Park) genannt.  Es ist ein Ort der Begegnung. Zu jeder Tageszeit treffen sich dort Jung und Alt, um an eine der zahlreichen Bänken Platz zu nehmen und sich auszutauschen und das Leben zu zelebrieren.

Das Leben für die Vojvodiner ist hart, aber auch so einfach. Ein Grossteil der Menschen, die ich in dieser Grenzstadt zu Ungarn kennengelernt habe, sind bilingual aufgewachsen. Sie sprechen ungarisch und serbisch, fließend. Viele Einwohner Suboticas haben ungarische Wurzeln, zumindest einen Teil davon.

Viele junge Heranwachsende besitzen schon eine ungarische Staatsbürgerschaft oder sind gerade am überlegen, da dies die einfachste Möglichkeit ist aus der "Sackgasse" Serbien zu entfliehen. Es ist ein "sicherer" Weg nach EUropa.

 

Es ist gerade ein kleines, überschaubares Livekonzert am einem Ende der besagten Grünanlage. Örtliche Jugendliche sammeln sich an diesem Ort um den angebrochenen Abend  mit Freunden und Alkohol zu feiern.

Am anderem Ende des Parkes ist ein gegensätzliches Bild. Eine Menschentraube sammelt sich in einem kleinen Kreis. Sie sitzen am Boden. Sie sind Flüchtlinge. Den ganzen Tag passieren hunderte Flüchtlinge alleine diesen Park. Sie kommen und gehen.  Sie kommen und gehen.

Eine Gruppe von 18 Menschen sitzt auf dem Boden und rastet. Sie sehen erschöpft aus.

 

Mustafa ist 21 Jahre jung, er will mir seine Geschichte erzaehlen.

 

Mustafa, der "Auserwählte"

 

Seine Reise mit seinem Bruder begann vor einem Jahr in Izmir. Sie sind aus Damaskus geflohen. Ein Jahr haben sie in der Türkei verbracht. Wegen mangelnder Perspektive, sind sie auf die Transasia/route aufgebrochen. Zuvor haben sie sich Drei Jahre geweigert zu fliehen. Aber nach drei Jahren Krieg, schien ihnen keine Alternative mehr zu bleiben. Sie kommen aus einer wohlhabenden Familie. Sein Bruder ist Ingenieur. Ende zwanzig, liiert. Seine Frau ist schwanger. Er wird in wenigen Monaten Vater. Seine Frau ist in Damaskus geblieben. Es ist zu anstrengend sich als hochschwangere Frau auf einen so gefährlichen Weg zu begeben. Mustafa selber ist 21 Jahre. Genau wie sein Bruder, will er sein angefangenes, bzw. unterbrochenes Ingenieur-Studium erfolgreich beenden. Am liebsten in Deutschland.

Er und sein Bruder sprechen perfekt Englisch. Sein Bruder will  seine Frau so schnell wie möglich nachholen. Legal.

 

"Fliehen oder auf den Tod warten"(Zitat: Mustafas grosser Bruder)

 

Sie bezahlen 1000€ pro Kopf für einen Schlepper, der sie mit einem überfüllten Boot zwei Tage zur der griechischen Insel

"Kos" bringt. Dort erhalten sie von der griechischen Regierung ein "Refugie/Visa", auch  "Cartia" genannt. Sie können sich trotz ihres finanziellen Vermögens, kein Taxi leisten oder Bus fahren. 

 

                     "es ist gegen das Gesetz uns zu helfen."(Zitat: Mustafa)


Sie übequeren die Insel zu Fuss, vier Tage Fussmarsch. Sie kommen  mit einem Schiff nach Athen. Dort dürfen sie dann mit einem Bus in Richtung Thessaloniki weiterreisen. Um letzendlich in Atsomi, einer Grenzstadt zu Mazedonien anzukommen.

Sie passieren die Grenze in der Nacht. Die Grenzpolizisten haben sie aber trotzdem entdeckt. Sie haben sie in einem mazedonischen Maisfeld gestellt. Lautstark versuchen zwei Polizisten die Masse in Schacht zu halten. Die 30 Heimatlosen, unterschiedlichster Herkunft,  werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Es herrscht Panik. Einige Männer versuchen wegzulaufen. Sie werden mit Polizeistöcken daran gehindert. Ein syrischer Flüchtling zeigt mir seine mazedonisches Souvenir an seinem linken Bein. Ein Hämatom und eine verheilte Schürfwunde.

Es besteht, zumindest bei den syrischen Staatsbürgen, kein Grund zur Befürchtung. Sie sind Kriegsflüchtlinge. Somit haben sie 72 std. Zeit das Land wieder zu verlassen. Sie werden durchgeschleust. In das nächste Land.

 

Das Problem wird weitergereicht

 

 

 

Mustafa verdeutlicht mir jedoch nochmal, dass die Polizisten nett gegenüber den Familien waren. Sie versuchen nur Herr über die Situation zu sein, wenn nötig mit Gewalt.

So wandern sie weiter über den einen Grenzwald nach Serbien. Dort werden sie nicht herzlich von den Einheimischen begrüsst. Sie sollen verschwinden. Sie laufen Tag und Nacht über fünf Pässe, bis sie schließlich im Landesinnern sind und sich ein Bus nach Belgrad nehmen. Von dort ziehen sie weiter mit dem Zug nach Subotica. Jetzt heißt es Hop oder Top, zumindest für die Wirtschaftsflüchtlinge. 

Das Tor zur EU, die letzte Grenze. Ungarn.

Ihr Ziel ist Deutschland.

Wo genau?

Das wissen sie selbst noch nicht. Das ist zu weit gedacht. Mustafa sagt, er sei erschöpft. Sie wissen nicht was heute Abend noch passieren wird. Ob sie noch ruhen werden oder in der Nacht über die Grenze laufen werden.

 

"Wir als Gruppe halten zusammen."

 

Sie  denken nur von Tag zu Tag. Mustafa betont noch einmal, dass es ihm und den meisten Syrern ein Rätsel ist, wie es zu diesem Krieg kommen konnte. Keiner weiß wirklich wie es begonnen hat. Auf einmal ist er alltäglich. Vier Jahre schon.

 

 

 

Anmerkung: Mustafa und sein Bruder wollten nicht fotografiert werden.


(Bild: links, Mann mit Muskelshirt, Schlepper)
(Bild: links, Mann mit Muskelshirt, Schlepper)

Das Geschäft mit dem Elend

Menschenschmuggler haut nah.


Subotica, Serbien.

 

1500 Euro bezahlen Flüchtlinge an Schlepperbanden um von Serbien  bis nach Deutschland zu kommen. "Es ist eine sichere Variante". Das zumindest behauptet "Horst, der Schlepper".( Name in der Redaktion geaendert...:) "Horst" ist 26 Jahre jung und wurde  vor vier Jahren aus Deutschland abgeschoben.

 

"Ich habe einige dummen Sachen gemacht"

 


Es war die Konsequenz des Gesetzes, dass er nach seinem versuchten Totschlags wieder in sein Heimatland, Kosovo befördert wurde. " 

"...eine normale Diskoprügelei...." 


"Horst, der Schlepper" ist in Deutschland geboren. Er hat sein ganzes Leben im Raum Stuttgart verbracht.

Seit geraumer Zeit widmet er sich dem Menschenhandel. Er versucht mit dieser gut bezahlten "Arbeit" über die Runden zu kommen. Er und seine Frau erläuetern mir ihr Business.


Es werden Taxis  fuer 24 Stunden gemietet.  "die Ware" wird anschliessend in der Nacht, sicher über die Grenze gebracht. Dort wartet schon ein "europäisches" Auto auf "die Ware". Die Polizisten an der ungarischen und serbischen  Grenze sind natürlich geschmiert. Sie wissen ganz genau, wann wieder ein "illigales" Auto, die Grenze passieren wird. Sie erhalten bis zu 200 Euro für einen Menschen.

 

Deswegen sind Menschenschmuggler beliebt unter den Flüchtlingen. "Horst" berichtet, dass von den 1500€, 400€ in seine eigene Tasche gehen.  Durch das vermitteln und organisieren kann er mit dem verdienten Geld ganz gut leben.  Den Rest bekommt der Fahrer. Er behauptet, dass es zu "95% eine sichere Sache" ist.

Schließlich wissen die Grenzpolizisten Bescheid. Zumindest einige.

 

Die Gefahr lauert dann auf dem Weg nach Deutschland. Es kann immer und überall passieren, dass sie in eine unvorhergesehene Verkehrskontrolle geraten. Davon spricht "Horst, der Schlepper" jedoch ungerne. Schliesslich interessiert es ihn auch wenig. Er muss weder das Auto fahren, noch die eventuellen Konsequenzen tragen. Er muss nur telefonieren können.

 

"Die sind mir scheiss- egal"

 

Die Fluechtlinge, die es sich nicht leisten können einen Schlepper zu bezahlen, gehen auf eigene Faust los. Über die "grüne Grenze". Die Taxifahrer verlangen über das zehnfache vom üblichen Fahrpreis für einen Flüchtling, bis zur Grenze.  Sollten sie von der Polizei erwischt werden, kann das nötige Kleingeld einen Gesetzeshüter umstimmen. 20€ soll seine Hilfe kosten. Erzählt mir ein Taxifahrer in Subotica.

Schließlich ist es verboten.

Doch es ist finanziell lukrativ, einem Flüchtling zu helfen.

Bild: "Horst, der Schlepper", mit seiner Frau und Businesspartnerin, Subotica, August 2015
Bild: "Horst, der Schlepper", mit seiner Frau und Businesspartnerin, Subotica, August 2015

Subotica, an der Grenze zu EUropa

             L´ Europe do Hip Hop